Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

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Fred
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Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von Fred »

Beim letzten Treffen kam die Frage auf, welche "besonderen" Systeme es noch gäbe, die zu spielen interessant wäre. Schreibt eure Einfälle in diesen Thread (idealerweise natürlich mit Begründung, was das System so besonders macht). Vielleicht findet sich ja jemand, der es mal auf einem Treffen anbietet :D


Sufficiently Advanced 2nd Edition
Eines der faszinierendsten transhumanen Far Future RPGs. Besonders interessant sind das Memetik-System (wie lange dauert es, jemanden von was zu überzeugen) sowie die Regeln für das Metagaming, bei denen ein Char mächtige Fähigkeiten haben oder eine für die Handlung bedeutsame Figur sein kann (oder irgendwas dazwischen). Das Basissystem klingt ebenfalls gut (es gibt beispielsweise keine Proben, stattdessen ist es nur eine Frage der Zeit, bis man mit etwas erfolgreich ist). Schließlich ist das Design elegant (Augmentierungen sind Attribute).

Chronotech
Eine Erweiterung für Sufficiently Advanced (SA). Chars können jetzt über eine Augmentierung die Fähigkeit haben, in die Zukunft zu sehen. Der Autor hat sich ziemlich gründlich Gedanken darüber gemacht, was das im Einzelfall bedeuten könnte (ich glaube, er hat sogar die Möglichkeit des Slipshank eingebaut). Ganze Gesellschaften werden beschrieben, in der alle Bürger die Fähigkeit der Präkognition haben.

Sorcerously Advanced
Vom gleichen Autor wie SA, mit sehr ähnlichen Basisregeln. In der Spielwelt ist jeder ein mächtiger Zauberer, und natürlich gibt es eine Vielzahl von Welten. Das Magiesystem scheint über eine intentionale Systematik zu verfügen, was der realen Magievorstellung entgegenkommt. Es ist möglicherweise bewusst als Alternative zur phänomenischen Systematik von Mage gestaltet (Mage ist dem Autor bekannt) und dürfte den Spielern ähnlich umfassende Möglichkeiten geben.

The Riddle of Steel
Die Kampfregeln vieler Systeme sind langweilig oder lachhaft (oder gleich beides). Jadetiger meinte mal, bei TRoS hätte er zum ersten Mal das Gefühl gehabt, eine richtige Kampfsimulation zu erleben. Das alleine reicht aus, um TRoS für mich interessant zu machen.
“The vast intellect and understanding of the Titans of Hell far exceed anything VEGA is capable of understanding. Ultimately, his intelligence, like ours, is artificial.”

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Alphatier
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von Alphatier »

Ich ergänze die Liste mal um zwei Systeme mit besonderen Spielmechaniken:
(Beide stehen auf meiner zu-leiten-Liste)

Engel
Abgewandelte Tarotkarten werden bei Entscheidungen gezogen und der jeweilige Spieler entscheidet selbst, was die Karte in dem Kontext bedeutet. Es gibt einen Spielleiter der wie üblich die Geschichte erzählt und das Spiel leitet. Gewürfelt wird aber nicht.
Ach ja, die Charaktere sind Engel in einer Postapokalyptischen Welt. Komplett mit Flügeln und ggf. einem Flammenschwert.

Paranoia
Der Name ist Programm. Ihr könnt euren Mitspielern nicht vertrauen, da diese wahrscheinlich Mutanten, Verräter und/oder Kommunisten sind. Der einzige Freund ist der Computer der dir die Aufträge gibt. Abgesehen von dem Setting ein klassisches Rollenspiel. Die Regeln sind allerdings so hoch eingestuft, dass kein Spieler sie kennen darf. Wenn es anzeichen gibt, dass ein Spieler die Regeln kennt, ist das Verrat und führt dazu, dass der Charakter als Dämmaterial für den Reaktor verwendet wird. Zum Glück hat man mehrere Klone.
Spielleiten ist eine Kunst, eine auf Charakter basierende, schöpferische Tätigkeit die keinen festen Regeln unterliegt.

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Fred
Air Elemental
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von Fred »

Alphatier hat geschrieben:
So 24. Apr 2022, 19:25
Ich ergänze die Liste mal um zwei Systeme mit besonderen Spielmechaniken:
(Beide stehen auf meiner zu-leiten-Liste)

(...)

Paranoia
Der Name ist Programm
Kann dich nur darin bestärken, es mal zu leiten. Das Einführungsabenteuer ist der Hammer, und man wird so richtig erfinderisch darin, die Mitspieler anzuschwärzen & reinzureiten :D

Funktioniert übrigens auch prima live!
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gmelchior
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von gmelchior »

Da hätte ich ein paar, alles in der erzählerischen Ecke verortet.

Brindlewood Bay:
Mein aktuelles Lieblingsspiel. Mord ist ihr Hobby trifft auf Cthulu. Man spielt alte Krimikennerinnen, die Mordfälle lösen und dabei auf eine übernatürliche Verschwörung aufmerksam werden. Allein das Setting ist herrlich. Aber vor allem das Mystery System ist es Wert das mal zu spielen. Ich persönlich finde es sehr elegant gelöst, da es zu den Mysteries keine vorgefertigte Lösung gibt, sondern die Spielenden die Hinweise, die sie im Laufe des Spiels finden zu ihrer eigenen Theorie zusammenbauen. Das ist mMn aus mehrfacher Hinsicht interessant. Es löst elegant das Problem von Silver Bullets, die gibt es nämlich nicht. Auch kann so an jedem erdenklichen Ort ein Hinweis gefunden worden, da Hinweise nicht an Orte gebunden sind. Der Keeper (=SL) ist aber schon angehalten die Hinweise in die Fiktion einzubauen.
Vom System ist es ein sehr runterreduziertes PbtA mit nur ein paar Moves. Vor allem die Moves in denen etwas riskantes passieren kann geben den Spielenden immer die Möglichkeit einen Rückzieher zu machen, falls es doch zu heikel wird. Und für den Fall, dass man würfelt und scheitert, kann man sogenannte Kronen aufsetzten um das Ergebnis zu verbessern. Dies Kronen sind oft kleine Flashbacks, die den Hintergrund des Charakters weiter ausbauen.
(Der KS dazu startet heute, das deutsche PDF kommt die Tage bei System Matters)


10 Candles
https://cavalrygames.com/ten-candles
Ein wahnsinnig immersives und stimmungsvolles play to loose Spiel. Das Setting: Die Welt ist vor 10 Tagen in die Dunkelheit gestürzt worden, und jetzt kommen SIE und wollen die Menscheit vernichten. und da das Spiel play to loose ist, steht auch am Anfang schon fest, dass alle Charaktere sterben werden. Die Charaktererschaffung ist kollaborativ, evokativ und geht sehr schnell.
Das eigentlich besondere ist aber, dass man das Spiel in einem Raum mit nur 10 brennenden Teelichtern spielt. So entsteht eine sehr drückende Stimmung. Mit der Zeit werden diese Teelichter auch immer weniger. So wird die Stimmung weiter aufgeladen, und sobald das letzte Teelicht ausgeht ist das Spiel vorbei.
Ausserdem verwendet das Spiel einige sehr interessante Rituale, auf die muss man sich einlassen, aber es macht etwas mit einem, und die Stimmung wird so noch intensiver.

Once More into the Void
Ich nehme mal dieses Spiel als Stellvertreter für alle Firebrands Spiele. Ich finde Firebrands Spiele sehr besonders, da sie im Vergleich zu vielen anderen Spielen aus eine Liste von Mini-Games bestehen und ohne SL gespielt werden. Jede*r am Tisch erstellt einen Charakter, normalerweise gibt es interessante Kofliktsituation im Setting zwischen den verschiedenen Charakteren um das ganze schon mal etwas aufzuladen. Das Spiel an sich funktioniert dann so, dass der aktiv Spielende sich ein Mini-Game aussucht und das mit 1-alle anderen Spielenden spielt. Diese Mini-Games sind meistens kleine Frage - Antwort Spiele z.B. wie das Kampf Mini-Game bei Der König ist tot: Wir verkeilen unsere Schwerter und dein Mund ist nah an meinem Ohr. Was sagst du?
oder bei Once more into the Void im Never did I trust you Spiel: I try to confront you head on, but I falter. A shared memory of ours plagues me. Why are you the most important person to me?
Die Fragen sind immer wunderbar aufgeladen und erzeugen oft besondere Beziehungen zwischen den Charakteren.
Es ist eine sehr besondere Art zu spielen, weit Abseits von etablierten Pfaden, die sicher nicht allen taugt. Aber ausprobieren sollte man es evtl schon einmal. Vor allem, da es perfekte 1-Shots sind und man eigentlich nichts vorbereiten muss.
Es gibt mittlerweile auch sehr viele Settings für Firebrands, von Mass Effekt (Once more into the Void) über She-Ra (For the Honor) bis hin zu Prinzessin Monoke (To see with eyes unclouded by hate), und vieles mehr.

Alien
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von Alien »

gmelchior hat geschrieben:
Di 26. Apr 2022, 11:13
10 Candles
Leider nicht fürs Treffen geeignet, würde ich aber sehr gerne einmal ausprobieren.
gmelchior hat geschrieben:
Di 26. Apr 2022, 11:13
Once More into the Void
...
Wenn du so etwas einmal auf dem Treffen anbietest, wäre das super. Aber bitte nicht im Mai, da kann ich nicht.

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Fred
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von Fred »

gmelchior hat geschrieben:
Di 26. Apr 2022, 11:13

Brindlewood Bay:
Klingt höchst originell. Wer wollte nicht schon immer mal Miss Marple spielen? Dass ein Tathergang nicht aufgeklärt, sondern konstruiert wird, sollte im Rollenspiel viel besser funktionieren als im Brettspiel (z.B. wie bei Android). Außerdem ist es ja auch für den Spielleiter interessanter, denke ich. Die übernatürliche Komponente birgt zwar immer die Gefahr der Beliebigkeit, andererseits sind die Spieler ja auch kaum professionelle Krimiautoren, so dass hier einfachere "okkulte" anstelle von verzwickten logischen Auflösungen gefunden werden können, würde ich vermuten.
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gmelchior
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Re: Welche besonderen Rollenspiele sollte man ausprobieren?

Beitrag von gmelchior »

Fred hat geschrieben:
Di 26. Apr 2022, 17:43
Die übernatürliche Komponente birgt zwar immer die Gefahr der Beliebigkeit, andererseits sind die Spieler ja auch kaum professionelle Krimiautoren, so dass hier einfachere "okkulte" anstelle von verzwickten logischen Auflösungen gefunden werden können, würde ich vermuten.
In diesem Fall ist die übernatürliche Komponente ganz interessant. Sie bildet quasi die grosse Klammer um die Kampange. Erst mit der Zeit spielt die okkulte Verschwörung überhaupt eine Rolle. Am Anfang werden die Krimikennerinnen vielleicht ein paar verstörende Dinge bemerken, mit der Weile werden sie dann darauf aufmerksam, dass es einen Kult gibt, dann welche Personen darin verstrickt sind, evtl auch was der Kult will, und der Ort eine merkwürdige Vergangenheit hat, die damit verknüpft ist. Das alles streut mal als SL in die einzelnen Mysterys bei 12+ Resultaten ein. Insofern kann es etwas dauern bis die Krimikennerinnen dem ganzen auf die Schliche kommen. Ich hab noch nie eine ganze Kampagne gespielt, aber ich denke man braucht schon mind. 8 Mysteries.

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Fred
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The End of the World

Beitrag von Fred »

In der End of the World Serie von Fantasy Flight spielt man sich selbst in einem apokalyptischen Szenario. Setting ist die vertraute tägliche Umgebung der realen Welt. Zur Auswahl stehen verschiedene Szenarien in einer Zombie-, Maschinen-, Alien- oder Mythos-Apokalypse. Jeder Szenario ist unterteilt in eine prä- und eine postapokalyptische Phase. Prinzipiell ist es aber ein "Play to loose", wie gmelchior es wohl ausdrücken würde.

Manche Spieler mögen Schwierigkeiten damit haben, sich selbst zu spielen (vor allem, wenn sie von Zombies aufgefressen werden). Bei der Charaktererstellung bewerten außerdem die Mitspieler die Selbsteinschätzung der Attribute. Das Fremdbild dürfte dabei nicht so störend wirken wie die Einschränkung der Spielmöglichkeit des Charakters durch Downvoting. Schließlich würde man sich im Falle einer Apokalypse vermutlich zunächst um Verwandte und Partner sorgen und kümmern, anstatt die Zeit mit Rollenspielern zu verbringen. Andererseits spielt man sich ja immer selbst :P

Es erfordert also eine gewisse sorgfältige Vorbereitung. Trotzdem ein recht interessanter Ansatz, den ich gerne mal ausprobieren würde.
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